Ich habe hier drei, ich brauch noch Einen

26.05.2022 13:30 von Chronicle Redakteur Martin

26. Mai

 

Der  VEB-Chronicle  meldet:

Ich habe hier drei, ich brauch noch Einen

Dieser Ausruf kam von Markus, als auf ihn als letzter Mann drei Blauen zu gerannt waren. Markus überstand die Situation unbeschadet und erst an der Art seines Ausrufes erkannten wir, wie Markus das gemeint hat. Zudem duften wir heute wieder erlaben, dass Fußball (auch) Kopfsache, wie Gerd erfahren durfte. Zudem setzten die Gelben eine sehr perfide Waffe ein: das philosophische Gespräch.

Bei herrlichem Frühlingswetter trafen sich nur 8 VEB’ler zu ihrem Vaterschaftskick. Als Martin ankam, war nur Gerd schon da. Die Beiden schwärmten von vergangenen VEB-Zeiten, als der Vaterschaftskick noch ein wichtiges, sehr gut besuchtes Ereignis beim VEB war mit anschließendem Umtrunk und so. Nun ja, die Zeiten ändern sich.

Als alle da waren, verkleinerten wir das Halbfeld, Wolfgangs Vorschlag, auf dem Großfeld zu spielen, fand keine Mehrheit. Zudem spielten wir auf die kleinen Tore mit der Maßgabe, Torschüsse sind erst ab der Mittellinie erlaubt. Dies löste Mutmaßungen aus, ob heute überhaupt Tore fallen würden. Dazu gab es unterschiedliche Meinungen, eine war, dass es heute 10 : 8 ausgehen würde. Eine sehr prophetische Meinung. Markus teilte dann die Mannschaften ein und so ging es mit 4 Gelben gegen 4 Blaue los.

Die Blauen mit Frank, Mäthes, Giuseppe und Gerd hatten Anstoß, brauchten aber etwas um in die Gänge zu kommen. Auch die Gelben mit Martin, Markus, Ludwig und Wolfgang hatten leichte Anlaufschwierigkeiten, sodass es am Anfang eher ein ruhiges Spiel war. Und die Tore waren wirklich sehr klein und gut verrammelt.

Dann aber machten die Blauen Ernst. Frank wurde schön freigespielt und ihm gelang es zum ersten Mal zu treffen, die Blauen führten 1 : 0. Aber die Gelben schlugen bald zurück und auch Wolfgang traf in das kleine Tor, es stand 1 : 1.

Insgesamt aber waren die Blauen besser auf die Verhältnisse des kleinen Spielfeldes und der kleinen Tore eingestellt. Giuseppe stand meistens im Tor und bei gelben Angriffen standen die Blauen kompakt vor ihrem Tor und ließen kam Einschussmöglichkeiten zu.

Aber kaum hatten die Blauen den Ball, schwärmten sie schnell aus und nutzten die volle Breite des Spielfeldes. So rissen sie immer wieder Löcher in die gelbe Abwehr und kamen zu einigen Chancen. Zudem pressten Frank und Mäthes und auch Giuseppe sehr energisch und früh und behinderten so den gelben Spielaufbau. Besonders Frank mit seinen immer länger werdenden Beinen wurde zum Alptraum der Gelben.

Durch dieses Pressing konnten sich die Blauen öfters den Ball erobern und schalteten sofort auf Konter um. Aber auch Abspielfehler der Gelben ermöglichten den Blauen immer wieder Konterchancen, die die Blauen zu nutzen verstanden.

Während die Blauen durch Frank und Mäthes vorne sehr schnell und beweglich waren, war dies bei den Gelben hauptsächlich Wolfgang, während Ludwig und Markus nicht ganz diese Dynamik entwickelten. Martin war durch eine leichte Hüftprellung eh nicht sehr beweglich und so war das Angriffsspiel der Gelben deutlich statischer. Damit taten sich die Gelben gegen den kompakten Abwehrblock der Blauen sehr schwer.

Während die Gelben so meistens vor einem blauen Bollwerk agieren mussten, fanden die Blauen bei ihren Kontervorstößen öfters ein leeres gelbes Tor vor. So konnte Frank auf 2 : 1 erhöhen und kurze Zeit später sorgte Mäthes für das 3 : 1, ehe Markus dann auf 2 : 3 verkürzte.

Zudem waren die Blauen meistens effektiver im Ausnutzen ihrer Torchancen. Ludwig wurde durch einen wunderbaren Steilpass von Markus links freigespielt und hatte das leere Tor vor sich. Und in dieser Situation zeigte sich, dass Fußball – auch – mit dem Kopf gewonnen wird.

Denn Ludwig schaltete nach eigenem Bekunden seinen Kopf in dieser Situation aus und …. schob den Ball aus einem Meter Entfernung am leeren Tor vorbei. Grrrrrhhhh !!!

Aber auch Gerd lernte, dass Fußball eine Kopfsache ist. Gerd wurde links wunderschön freigespielt und hatte das Tor vor sich. Gerd lief in den Steilpass hinein, aber seine Füße waren schneller als der Rest seines Körpers, besonders seines Kopfes. So war Gerd in Rückenlage, als er an den Ball kam und schoss. Statt ins Tor donnerte Gerd den Ball weit drüber hinaus und musste sich so entsprechende, eher negative, Kommentare anhören.

Trotzdem fielen weitere Tore, erst erhöhten die Blauen auf 4 : 2, ehe die Gelben wieder auf 3 . 4 heran kamen. Markus hatte dann Pech, als er aus aussichtsreicher Position nur den Pfosten traf. Markus haderte mit sich und meinte richtiger Weise, dass die kleinen Tore eckige Pfosten hätten. Bei runden Pfosten wäre sein Schuss eventuell doch rein gegangen.

Frank schoss dann das 5 : 2 und wir legten eine dringend benötigte Trinkpause ein, denn das Spiel war sehr laufintensiv und Pausen waren bei 4 Spielern pro Mannschaft sehr gefährlich.

Die Pause tat den Blauen sehr gut, denn nach Wiederanpfiff und Seitenwechsel legten die Blauen vehement los. Die Blauen verfeinerten nur merklich ihr Spiel und ließen den Gelben kaum eine Chance. Und wenn dann Martin einen seiner berühmten Steilpässe in den leeren Raum spielte, anstatt einen sicheren Querpass zu spielen, kamen die Blauen blitzschnell in Ballbesitz. Und genauso blitzschnell regte sich Markus berechtigterweise über dieses unnötigen Ballverlust auf.

Die Blauen spielten jetzt sehr agil, schnell und nutzten den vollem Raum des Spielfeldes und die Gelben taten sich immer schwerer gegen diese blauen Angriffe. Immer wieder gelang es den Blauen, sich so durch die löchrige gelbe Abwehr zu kombinieren und so zogen die Blauen mit drei Toren auf 8 : 3 davon.

In dieser Phase hatte Markus dann seinen großen Moment. Nach einer schnellen Balleroberung rannte drei (!!!) Blaue alleine auf Markus zu, der als letzter Mann vor dem gelben Tor stand. Die Lage schien aussichtslos, aber Markus wuchs über sich hinaus und konnte sich den Ball schnappen.

Voller Begeisterung über die famose Tat rief Markus: „ich habe hier drei, ich brauche noch Einen“. Markus meinte mit dem Einen aber nicht etwa einen (oder auch mehrere) Gelben zu seiner Unterstützung. Nein, Markus meinte einen weiteren Blauen, damit er sich noch mehr beweisen konnte.

Aber auch die Gelben zeigten, dass Überzahlspiel nicht zwangsläufig zu Toren führen musste. Denn auch die Gelben schafften es, das eine oder andere Überzahlspiel unrühmlich, sprich ohne ein Tor, zu Ende zu führen.

Dann endlich, nach einigen Fehlschüssen, gelang es Wolfgang mal wieder ins blaue Tor zu treffen, es stand nur noch 4 : 8. Dieses Tor gab den Gelben Auftrieb und sie beherrschten nun das Spiel. Die Gelben schossen nun noch drei weitere Tore, wobei endlich auch Ludwig aus einer schwierigen Position traf (die komplizierten machte er, die einfachen nicht), und verkürzten auf 7 : 8.

Ludwig war es dann, der sich auf eine alte VEB-Regel berief, die außer ihm anscheinend niemand kannte: „wer drei Tore am Stück schießt gewinnt, egal wie der Spielstand ist“. Nun, wir brachten diese Regel nicht zur Anwendung und spielten munter weiter.

Die Blauen kamen nun wieder ins Spiel und erhöhten auf 9 : 7. Und dann griffen die Gelben zu einer tückischen Geheimwaffe: das philosophische Gespräch. Während die Gelben anstießen, verwickelten Ludwig Gerd in ein philosophisches Gespräch. Währenddessen schob Wolfgang den Ball zu Markus, der einen Schritt nach vorne lief und somit die Mittellinie überquerte. Markus sah das blaue Tor leer und schoss den Ball gezielt ins leere Tor.

Gerd regte sich vehement über dieses perfiden Trick auf, sich in ein philosophisches Gespräch verwickeln zu lassen, während dessen andere ein Tor schießen. Nun, wie dem auch sein, das Tor zählte und wir spielten weiter.

Inzwischen war es 9:15 Uhr und somit Zeit für Wolfgang zu gehen, da er pünktlich um 10 Uhr in der Kirche sein wollte. Aber Wolfgang war erst 4,5 km gelaufen, es fehlten ihm also noch 500 Meter zu den 5 km und so spielte und rannte Wolfgang weiter. Martin riet ihm, statt 500 Meter zu laufen lieber noch 5 Tore zu schießen, aber diesem Vorschlag kam Wolfgang nicht nach.

Frank hatte dann Erbarmen mit Wolfgang und beendete das Spiel, indem er bei einem Konter den Ball an Martin vorbei ins Tor zum 10 : 8 Sieg der Blauen versenkte. Die Prognose am Anfang hatte sich also bewahrheitet. Giuseppe, das Torungeheuer, hat heute zwar kein Tor geschossen, aber seine füllige Präsenz im blauen Tor verhinderte so manches Tor für die Gelben. So beendeten wir unseren Vaterschaftskick und machten uns zufrieden auf den Heimweg.

 

 

Hier die Bildergalerie dazu

 



Zurück

Einen Kommentar schreiben